Wenn auch ein bißchen anders als Yoon-ki und Moreno und darüberhinaus mit geschichtlichem Hintergrund, erzählt Andres Veiel mit Wer wenn nicht wir vor allem die Beziehungskiste zwischen Gudrun Ensslin, gespielt von Lena Lauzemis, und Bernard Vesper, gespielt von August Diehl. Es geht weniger darum, die RAF-Anschläge und deren Folgen bis ins kleinste Detail zu thematisieren, sondern viel mehr um die Motivation, sich der Organisation anzuschließen, die Gründe für deren Entstehen aufzudecken und dabei die zwischenmenschliche Beziehung der Hauptprotagonisten zu beleuchten.

Nach etlichen Dokumentarfilmen zum Thema RAF und dem erfolgreichen Spielfilm Der Baader Meinhof Komplex aus dem Jahr 2008 von Uli Edel, ist auch Wer wenn nicht wir nun ein Film, der laut unserer Berlinale Bloggerin Charlott dazu anregt, sich mit der weltweiten politischen Situation auseinanderzusetzen. Da bleibt natürlich der aktuelle Vergleich zu den jüngsten Ereignissen in Ägypten nicht aus. Allerdings ist Charlott der Auffassung, dass es Veiel mit seiner Darstellung der RAF-Hintergründe nicht um die Stärkung des Bewusstseins für ‚die radikale Durchsetzung von Interessen’ ginge, sondern darum, das allgemeine Interesse an politischem Zeitgeschehen überhaupt zu wecken. Mehr zum Thema von Charlott gibt's auf Urbane Hymnen: Wer wenn nicht wir.
Veiel, der in Berlin Psychologie studierte und gleichzeitig Regisseur und Autor ist, feiert mit Wer wenn nicht wir sein Spielfilm-Debüt. Zuvor hatte er sich als Dokumentarfilmer mit Stücken wie Black Box BRD (2001) und Die Spielwütigen (2004) einen Namen gemacht. Letzterer wurde mit dem Panorama-Publikumspreis der Internationalen Filmfestspiele Berlin im Jahr 2004 ausgezeichnet. Wir wünschen Andres Veiel für den Wettbewerb der IFB 2011 viel Erfolg!