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Denis Sasse berichtet für TNT Film vom 9. bis 19. Februar live von der Berlinale.
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Thelma & Louise

Einen Film wieder zu sehen, den man lange Zeit nicht gesehen hat und der einem viel bedeutet hat, ist immer ein Abenteuer. Zu groß scheint die Gefahr, erhabene Szenen und Momente peinlich und plakativ zu finden und das Teenager-Ich, das sich so leicht beeindrucken ließ, milde zu belächeln. Mit gemischten Gefühlen habe ich Thelma und Louise - über zehn Jahre nach der ersten Begegnung - wieder auf mich wirken lassen.

Thelma und Louise, sensationell mit Geena Davis und Susan Sarandon besetzt, sind gegensätzliche, aber sehr gute Freundinnen, die gemeinsam einen Wochenendausflug machen wollen. Sie amüsieren sich und Thelma genießt die Freiheit von ihrem herrischen Mann. Als Kneipenflirt Harlan Thelmas Betrunkenheit ausnutzen will, um sie auf dem Parkplatz zu vergewaltigen, geht Louise mit einer Pistole dazwischen und redet ihm ins Gewissen. Als Harlan Louise daraufhin beleidigt, erschießt sie ihn. Weil die Kneipengäste Thelma mit dem Mann haben tanzen sehen, sind die beiden überzeugt, dass niemand an eine versuchte Vergewaltigung glauben würde. Anstatt die Polizei zu rufen, machen sie sich panisch davon. Die Flucht vor der Polizei führt die beiden in immer abenteuerlichere Situationen und tiefer in die Kriminalität. Als sie schließlich nicht mehr als Zeuginnen des Mordes, sondern für den Mord selbst gesucht werden, sehen sie ein, dass sie ihr Ziel Mexiko nie erreichen werden…

Die anfängliche Geschichte um die abgebrühte Kellnerin und die unglückliche Hausfrau, die nach einer versuchten Vergewaltigung einen Mann erschießen, ist noch nicht der Stoff, aus dem brennende jugendliche Identifikation entsteht. Doch im Laufe der Handlung entwicheln sich Thelma und Louise zusehends in ihrem Verhältnis zueinander und in Beziehung zu den männlichen Hauptfiguren Kommissar Hal (Harvey Keitel), Kleinganove JD (Brad Pitt) und Jimmy (Michael Madsen) zu immer mehr Unabhängigkeit von ihren Zwängen. Die zunächst abweisende Louise zeigt Thelma gegenüber Schwäche und gesteht sich selbst die Liebe zu ihrem Freund Jimmy. Die eklatantere Entwicklung, auch optisch, durchläuft jedoch Louise: Das ängstliche, klein gehaltene Heimchen am Herd entwickelt sich zu einer starken Frau, die ihre erste Liebesnacht erlebt und seelenruhig Geschäfte überfällt. Obwohl die Flucht der beiden Louises Entscheidung war, wird sich Thelma immer klarer darüber, dass sie die ist, die kein Leben hat, zu dem sie zurückkehren kann.

Thelma und Louise ist ein Roadmovie mit Westernmotiven wie der räumlichen und sinnbildlichen Grenzüberschreitung und des gesetzesleeren weiten Raumes, der sich auf das Leben zweier Frauen bezieht. Thelma und Louise ist auch insofern besonders, weil die charakterliche Entwicklung von Louise den Film zu einer Art weiblichen Coming-of-Age Geschichte macht. Abgesehen davon wie wenige starke weibliche Hauptrollen überhaupt außerhalb der romantischen Komödie zu verorten sind, zeichnet sich der Film durch das tragische Ende aus, das er seinen Heldinnen zur Legendenbildung zugesteht. Schließlich gilt es zu betonen, dass die Geschichte voller Liebe und Freundschaft unter den beiden Frauen ist und von den wunderschönen Einstellungen der Frauen am Steuer lebt: Mit Sonnenbrille, Zigarette, Lippenstift und Kopftuch am Steuer ihres 66er Ford Thunderbirds nimmt der Film Bezug auf Bilder der Popkultur wie dem Bild der eleganten Dame im Cabrio, den Mythos des T-Bird und James Dean.

Das subjektive Fazit lautet schließlich, dass viele Figuren aus Ridley Scotts Meisterwerk um einiges vielschichtiger sind, als man auf den ersten Blick meinen könnte. Es sind nicht alle Männer schlecht und alle Frauen gut, aber ihre Beziehungen zueinander und die Ab- oder Unabhängigkeit voneinander sind das bestehende Thema. Letzten Endes bin ich aber neidisch auf alle, die Thelma und Louise zum ersten Mal sehen.

50 Filme: Ein Roadmovie um die große Freundschaft, schwerwiegende Entscheidungen und die Weite und Schönheit des amerikanischen Westens.

TNT-Serie