Ich hab in den letzten Tagen mal wieder so viel von der Berlinale erzählt, dabei aber die Filme fast vergessen. Ich habe nebenher immer wieder erwähnt, was ich gesehen habe und wie es mir gefallen hat, aber es stehen noch ein paar Filme aus, bevor ihr up to date seid. Einer davon ist ‚Cherry‘. Selbst bei der Pressevorführung waren kaum Menschen anwesend, die diesen Film sehen wollten. Vielleicht lag es auch daran, dass die Pornofilm-Industrie als Thema für eine Vorstellung um zehn Uhr morgens etwas ungeeignet ist. Mich hat er jedenfalls aufgrund von Namen wie James Franco und Dev Patel interessiert. Aber im Nachhinein muss ich gestehen, dass auch Hauptdarstellerin Ashley Hinshaw überzeugt hat. Eigentlich ist die Geschichte auch schnell erzählt. Angelina ist Zuhause nicht glücklich, reist aus, lässt Nacktfotos von sich machen um Geld zu verdienen, heuert dann bei einer Pornofilm-Produktionsfirma an und arbeitet sich dort immer weiter nach oben. Dabei muss Angelina immer mehr ihr altes Leben zurück lassen, da hier niemand toleriert wie sie ihr Geld verdient. Dem Film sei zu Gute gehalten, dass er die Porno-Industrie als nichts Böses darstellt, sondern als einen Job. Es sind nur die äußeren Umstände die Angelina das Leben schwer machen. Eine alkoholsüchtige Mutter, ein drogenabhängiger Freund oder ein in sie verliebter Kumpel, dessen Liebe sie aber nicht erwidern kann.
Während die Schauspieler überzeugen, wird die Story doch eher nach Schema F abgehandelt, wie wir es aus Filmen wie ‚Coyote Ugly‘ oder ‚Burlesque‘ kennen. Eine Erleichterung war hingegen ‚Young Adult‘. Es scheint dass die Drehbücher von Diablo Cody bei Regisseur Jason Reitman hervorragend aufgehoben sind. Aber auch die Leistung von Charlize Theron verdient Erwähnung. Sie bleibt in dem Film bis zum Ende ein Arschloch. Es gibt hier keine Läuterung oder gar ein romantisches Happy End. Das macht die Geschichte so glaubhaft. Wenn ihre Figur der Mavis Gary sich auch noch so zickige und dreiste Aktionen leistet, bleibt Theron dabei glaubhaft. Schade ist nur, dass Nebendarsteller Patton Oswald relativ wenig Leinwandzeit bekommen hat, obwohl seine Figur nicht minder interessant ist. ‚Young Adult‘ ist also immer noch keine Schlappe für Jason Reitman.
Und dann war da natürlich noch ‚Bel Ami‘ mit Robert Pattinson, der hier ausnahmsweise mal nicht den charmanten Sunnyboy gespielt hat, sondern ein richtiges Arschloch sein darf, das die Frauen nur ausnutzt um Macht und Geld zu erlangen. Ich bin kein großer ‚Twilight‘-Fan, sage es aber gerne immer wieder: Robert Pattinson kann wirklich spielen und hat damit zumindest seinem männlichen Kollegen aus der Vampir/Werwolf/Mensch-Dreiecksgeschichte Taylor Lautner einiges voraus. ‚Bel Ami‘ ist interessant, gerne verfolgen wir das Vorgehen des skrupellosen Georges Duroy, der eine Frau nach der anderen verführt und dadurch immer weiter in der Gesellschaft aufsteigt. Dass er damit auch noch Erfolg hat, regt zum Nachdenken an, ist aber sein Happy End. Endlich mal ein Schurke der vor dem tiefen Fall bewahrt wird.