Am 31. Mai feierte Ausnahmeregisseur und Hollywoodlegende Clint Eastwood seinen 80. Geburtstag. Selbstverständlich kann die Liste der 50 Filme nicht komplett sein ohne einen Beitrag aus seinem umfassenden Werk. Doch bei (bisher) 30 Filmen, in denen Eastwood Regie geführt hat, fällt die Auswahl schwer: von Thriller über Romanze bis hin zum Western deckt seine Filmographie fast jedes Genre ab.
Natürlich ist nicht jeder dieser Filme ein Meisterwerk. Bemerkenswert ist jedoch, dass bereits sein zweites Regiewerk, der unkonventionelle Western Ein Fremder ohne Namen, ein gewagtes Experiment ist, das wie eine Kampfansage an die staubige Härte der Italowestern wirkt.
Ein namenloser Fremder (Clint Eastwood) reitet in das kleine Städtchen Lago, das von einer Mine in der Nähe lebt. Kaum angekommen, wird der Fremde von angeheuerten Pistoleros provoziert. Es endet in ihrem Tod, und die Stadtbewohner schauen weg, als der Fremde eine der ihren vergewaltigt. Statt ihn zu verhaften, bittet der Sheriff den Fremden, die Position der Pistoleros zu übernehmen, denn die Bürger fürchten die Entlassung und Rache ihrer drei ehemaligen Beschützer, die sie selbst hinter Gitter gebracht haben. Der Fremde willigt ein, doch sein Preis ist hoch: alles, was er will. Verängstigt gehen die Bürger diesen Handel ein, nicht ahnend, dass der Fremde um die heimtückische Ermordung des Marshalls durch die Bürger weiß und anfängt, Stück für Stück die Bürger und ihre Ängste gegeneinander auszuspielen.
Hier der Trailer:
Das Experiment, das Regisseur Eastwood in diesem Film begann und 1992 in seinem letzten Western Erbarmungslos zu Ende brachte, ist die Dekonstruktion des Genres. Wurde Eastwood selbst berühmt durch die Rolle des namenlosen Anti-Helden in der gewalttätigen Welt des Italowestern, treibt er dies hier auf die grausame Spitze: dem Zuschauer wird gleich am Anfang klar gemacht, dass der "Held" keine Sympathie verdient hat. Schnell wird deutlich, dass dies auch auf die Einwohner der Stadt, die ihre Situation selbst verschuldeten, sowie die rachsüchtigen Pistoleros zutrifft.
In einer invertierten Mischung aus den Genre-Klassikern Mein großer Freund Shane und Zwölf Uhr mittags werden in Ein Fremder ohne Namen gängige Klischees auf den Kopf gestellt. Der "Beschützer" nutzt die Stadt aus, zersetzt sie von innen, während der angekündigte Showdown keinen Kampf von Gerechtigkeit gegen Gesetzlosigkeit, sondern Rache gegen Rache markiert.
Clint Eastwood schreckte bei der Inszenierung auch nicht vor Surrealität zurück und gab dem Film gewollt einen unverkennbar übernatürlichen Touch. Zum Finale hin hat sich das Städtchen Lago, sprichwörtlich wie buchstäblich, in eine Hölle auf Erden verwandelt und die Frage nach der Identität des Fremden bleibt bis zum Schluss ungeklärt. Die Diskussion darüber dauert bis heute an. Wir wünschen viel Spaß beim mitdiskutieren!
50 Filme: Unkonventioneller Western mit übernatürlichen Anklängen von und mit Hollywoodlegende Clint Eastwood.