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Die Entdeckung der Langsamkeit: The Outlaw Josey Wales

Wenn man Clint Eastwood im Zusammenhang mit Westernfilmen erwähnt, denken viele zuerst an den ponchobewährten Namenlosen aus Sergio Leones Werken, allen voran The Good, the Bad and the Ugly (Zwei glorreiche Halunken). Doch ein Juwel Eastwoods Westernkarriere ist The Outlaw Josey Wales, dessen deutscher Titel Der Texaner lustigerweise völlig daneben liegt, da der Hauptcharakter aus Missouri stammt.

Der Film erzählt eine klassische Geschichte von einem Farmer (in Missouri), dessen Hof in den Wirren des amerikanischen Bürgerkriegs von marodierenden Nordstaatentruppen überfallen wird. Als sie wieder abziehen ist sein Haus nur noch Schutt und Asche, seine Frau und sein Sohn tot. Verbittert schließt er sich nun seinerseits einer blutrünstigen Gruppe von Banditen aus den Südstaaten an, die sich selbst als heldenhafte Guerillas sehen. Als der Krieg endet, geben seine Kameraden freiwillig ihre Waffen auf. Für Josey Wales ist der Krieg allerdings nicht vorbei und es beginnt eine gnadenlose Jagd auf ihn.

Auch hier beweist Eastwood wiedermal sein Talent als Regisseur. Von der ersten Einstellung an bemerkt man seine Handschrift: die Kamera fängt ganze Bilder ein, verweilt auf ihnen und lässt die Schauspieler und das Setting ihre Wirkung entfalten.

Was mich sehr positiv überrascht hat ist die Art und Weise, wie Eastwood seinen Hauptcharakter einführt. Innerhalb der ersten 2 Minuten zeigt er mit wenigen Szenen, wie einem hart arbeitenden Farmer und Vater alles genommen wird. Innerhalb von nur 2 Minuten ist die "Origin-Story" erzählt und der Film kann richtig loslegen. Kein stundenlanges herumreiten auf Details - das ganze Superhelden-Genre sollte sich davon mal eine Scheibe abschneiden.

Und wenn der Film dann loslegt, nimmt er sich - vor allem für einen Film dessen Haupthandlungsstrang die Flucht vor dem Gesetz ist - erstaunlich viel Zeit. Der Hauptcharakter, der am Anfang des Filmes noch ein innerlich abgestorbener Killer ist, macht auf seiner Flucht nach Texas und der Reise quer durch den als durch und durch brutalen und erbarmungslos gezeichneten Westen eine einnehmende und überzeugende Wandlung durch. Wie immer nimmt sich Clint Eastwood die dafür nötige Zeit. Nichts passiert überhastet und jede Szene ist genau durchdacht.

Hier kommt Eastwoods wahres Können zum Vorschein: trotz der gemächlichen Erzählweise verliert er die Spannung nie aus den Augen. Mit durchwegs packend inszenierten Schusswechseln und lauernden "Ruhe-vor-dem-Sturm" Szenen steuert er auf ein Finale zu, dessen emotionaler Höhepunkt zwar nicht mit dem visuellen übereinstimmt, aber dennoch rundum überzeugt.

Nicht zu vernachlässigen ist bei The Outlaw Josey Wales auch der ausgezeichnete und durchwegs fabelhaft eingesetzte Soundtrack von Jerry Fielding, der dem Film sogar eine Oscar®-Nominierung einbrachte.

Meine neu gewonnene Ansicht, dass Clint Eastwood einer der großen Regisseure unserer Zeit ist und in einem Atemzug mit Scorsese, Coppola, Spielberg und Konsorten genannt werden sollte hat sich mit diesem Film nur weiter bestätigt. Ich freue mich schon riesig darauf, mir den nächsten Eastwood-Film vorzunehmen!

Hier noch der Originaltrailer zu diesem großartigen Film:

Aber wie seht ihr das? Hat Eastwood das Lob verdient? Was haltet ihr von Josey Wales?

TNT-Serie