Zu einer Zeit, als die amerikanische Filmindustrie zum Dritten Reich noch nicht Stellung bezogen hatte, drehte Charlie Chaplin 1940 mit Der große Diktator die erste amerikanische Anti-Nazi Komödie. Die Tatsache, dass er in dem Film die Doppelhauptrolle als Diktator Hynkel und jüdischer Barbier übernahm, als auch für Regie, Drehbuch, Produktion und Filmmusik federführend war, macht sich in der Ganzheitlichkeit des mutigen Filmprojekts bemerkbar.
Die beiden Hauptrollen, die ausschließlich ihr Aussehen vereint, leben in vollkommen entgegen gesetzten Welten: Im jüdischen Ghetto herrscht unter den Bewohnern eine geradezu dörfliche Gemeinschaft, die unter der Leitung des Barbiers und der jungen Hannah (gespielt von Paulette Goddard) den Schlägertruppen Hynkels immer entschiedener entgegentritt.
Diktator Hynkel lebt hingegen in einem Palast umgeben von sterilen Sekretärinnen und Regierungsmitgliedern stets am Rande des Wahnsinns und hofft Herrscher einer arischen Welt ohne Juden und Brünette zu werden. Die Situation eskaliert als Hynkel Besuch seines italienischen Diktatorbruders Napoli erhält, der gekommen ist, um zu klären, wer von ihnen beiden als erster den Krieg beginnen soll.
Das Verbalisieren der politischen Situation überlässt Chaplin der Figur Hannah und einem Sprecher aus dem Off. Chaplins bewährte Stärke liegt in seiner körperlichen Komik und seiner Fähigkeit ohne Worte Konfliktsituationen darzustellen. Die tanzartige Flucht des Barbiers vor den Schlägertruppen, Hynkels Ballett mit dem Globus und die Reden des Führers in erfundenem Deutsch sind epochale und oft zitierte Momente der Filmgeschichte.
Dem deutschen Publikum wurde der Film über den wahnsinnigen und armseligen Führer mit den Doppelkreuzen erst 1958 in einer gekürzten Fassung gezeigt.

50 Filme: Die Filmikone Chaplin in seiner berühmten tragikomischen Doppelrolle