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Ansichtssache: Whatever Works - Dagegen

Woody Allens neuester Film Whatever Works kehrt in mehrfacher Hinsicht zu den Wurzeln zurück: Die Hauptfigur, in dessen New Yorker Alltag wir eintauchen, ist ein emeritierter jüdischer Physikprofessor, der seine Zeit damit verbringt seinen Mitmenschen seine Ansichten kund zu tun, während er darauf hinweist, dass er ein verkanntes Genie ist und seine Schachschüler zu beschimpfen. Der Grund, aus dem diese bekannte Allen'sche Story trotzdem großen Spaß machen kann, ist die großartige Neubesetzung des monologisierenden Misanthropen Boris Yellnikoff durch Larry David und das Trommelfeuer der zitatwürdigen Oneliner. Sensationelle Dialoge oder eher Monologe sind und bleiben Allens Stärke.

An anderer Stelle kämpft der Film jedoch mit erheblichen Problemen: Die Handlung begleitet Boris' Motto "Whatever Works" zufolge allerlei unerwartete Liebespaare. Yellnikoff fällt durch Zufall Melodie, ein einfältiges und gläubiges Südstaatenmädchen, förmlich in die Wohnung. Die leicht bekleidete Ausreißerin zieht bei ihm ein, kocht für ihn und lauscht ihm andächtig. Dabei verliebt sie sich in den Griesgram, der nur widerwillig einlenkt. Die Lolitafigur Melodie gestaltet in einer unerwarteten aber sehr überzeugenden Besetzung Evan Rachel Wood, die einem breiteren Publikum bisher durch eher düstere Rollen als Tochter in The Wrestler oder Vampirkönigin in HBO's True Blood aufgefallen sein dürfte.

Weil die Figuren zu überzeichnet sind, um Ernst genommen zu werden, wird die Darstellung dann unbehaglich, wenn sie zu sehr und zu einseitig einer Männerphantasie nahe kommt. Dadurch ist die Zuneigung des Mädchens zu dem Mann kaum nachvollziehbar. Letzten Endes wird die Beziehung von neuen abgelöst, als sowohl Melodie als auch Boris mit der Konstruiertheit der romantischen Komödie jemanden ihres Alters kennen- und liebenlernen.

Auch Melodies Eltern suchen New York auf, um neues Liebesglück zu finden. Die Toleranz in Bezug auf sexuelle Vorlieben und Lebensentwürfe, die der Filmtitel suggeriert, wird filmisch umgesetzt, indem die Mutter promisk und der Vater schwul wird. Die klischeehafte Darstellung hinterlässt trotz Situationskomik einen bitteren Nachgeschmack, weil sie im Grunde die Vorurteile des Filmemachers zu bestätigen scheint. Da hilft es auch nicht, das Boris Yellnikoff das Motto, dass jeder so leben soll, wie er will, mehrmals wiederholt. So ist auch das übertriebene Happy End des Films, eher ein Zugeständnis an das Genre der romantischen Komödie, als dass das Thema des Films überzeugend zu Ende gebracht worden ist.

Am Ende bleiben die fulminanten Monologe Boris' und seine direkte Ansprache des Zuschauers in bester Stand-Up Manier in lebhafter Erinnerung, aber auch eine etwas holprige Handlung mit wenig nachvollziehbaren Beziehungsentwicklungen.

Aber das ist nur meine Ansicht, die Gegenseite findet Ihr hier.

Der Trailer zu Whatever Works in HD-Qualität:

TNT-Serie