Nach seiner filmästhetischen Europareise (Match Point, Scoop, Cassandra's Dream, Vicky Cristina Barcelona) kehrt Woody Allen zu seinen Wurzeln zurück und lässt Whatever Works wieder in seiner Heimatstadt New York spielen. Neben der Metropole erinnern auch Charaktere und Geschichte des Films stark an Allens Frühwerk:
Whatever Works erzählt mit Allen-typischem Witz und Charme die Geschichte des intelligenten aber chronisch pessimistischen Neurotikers Boris Yellnikoff, der sich mit seinem Leben und seinen Mitmenschen besonders schwer tut. Von seinem misslungenen Selbstmord bleibt ihm zu allem Übel ein hinkendes Bein. Erst als er die viel jüngere und einfältige Südstaatenschönheit Melodie kennen und lieben lernt, gewinnt Boris neue Lebensfreude - im Rahmen seiner Möglichkeiten.
Auch wenn der Vergleich zu Allens New York-Trilogie Annie Hall, Manhattan und Stardust Memories, die Ende der 70er Jahre entstand, nahe liegt, ist Whatever Works mehr als eine filmische Selbsthommage an diese Zeit. Allen gelingt es bereits Bewährtes auf neue Weise zu präsentieren: Gegen alle Erwartungen spielt er die Rolle des Neurotikers nicht selbst, sondern besetzt sie mit Larry David, der vor allem durch sein Mitwirken an der Sitcom Seinfeld Ruhm erlangt hat. Zu diesem Entschluss kann man Allen nur gratulieren. So ist es vor allem Davids Leistung, dass der Zuschauer sich über die Nörgeleinen amüsieren und dem überheblichen Protagonisten Sympathie entgegenbringen kann. Die weibliche Hauptrolle besetzt Allen erstmalig mit Evan Rachel Wood - ebenfalls ein Glücksgriff - und verabschiedet sich somit vorerst von Dauermuse Scarlett Johansson.
Trotz dieser geschickten Neuerungen könnte dem Film vorgeworfen werden in altbekannte Muster und Klischees zu verfallen. Doch dies ist keineswegs auf einen unfähigen Regisseur zurückzuführen, denn in Whatever Works zelebriert Woody Allen das Gewohnte und Bekannte - das Alltägliche. Dabei nimmt der Film weder sich selbst noch seine Botschaft "Whatever Works" zu ernst. Dafür sorgt vor allem Boris, indem er sich in regelmäßigen Abständen direkt an das Film-Publikum wendet. Mit diesem Kunstgriff vermeidet Allen in dem Film jegliche Prätentiösität. Unbefangen kann der Zuschauer sowohl in den zahlreichen Klischees als auch in Boris' ständigen Beschwerden über Gott und die Welt kleine persönliche Wahrheiten entdecken. Sogar Boris' angestaubtes Motto "Whatever Works" erscheint in neuem Glanz. Dieser Spaß am Bewährten ist erfrischend weil sich das Erfrischende bewährt.
Aber das ist nur meine Ansicht, die Gegenseite findet Ihr hier.
Hier der Film-Trailer in HD-Qualität: