Auf den ersten Blick scheint Up in the Air eine sozialkritische Komödie über ein unliebsames Thema zu sein: der Umgang mit langjährigen Arbeitskräften in Zeiten der globalen Finanzkrise. Dabei bleibt sich Regisseur und Drehbuchautor Jason Reitman zunächst treu, denn bereits in seinen vorherigen Filmen hat sich Reitman gekonnt mit sozialethischen Inhalten auseinandergesetzt. Große Aufmerksamkeit und Erfolge konnte der gebürtige Kanadier mit seinen beiden letzten Filmen erreichen: Mit Thank You for Smoking brachte Reitman 2005 einen bissigen Film über die Zigarettenlobby Amerikas in die Kinos. 2007 wurde in Juno die rührende, wie auch unprätentiöse Geschichte einer schwangeren Minderjährigen erzählt.
Up in the Air, der auf dem gleichnamigen Roman von Walter Kirn basiert, gewährt den Einblick in den ungewöhnlichen Arbeitsalltag Ryan Binghams. Bingham verdient sein Geld indem er Leute feuert. Dabei wird er von Unternehmen eingeflogen, die ihren Angestellten diese unerfreuliche Nachricht nicht selbst überbringen wollen. Trotz dieser undankbaren Aufgabe hat sich Bingham mit seiner Arbeit bestens arrangiert, das ständige Fliegen ist sogar zu seinem Lebensinhalt geworden. Als Bingham erfährt, dass er seine Arbeit nun von einem festen Ort per Webcam erledigen soll, gerät sein luftiges Lebenskonzept in Turbulenzen. Außerdem muss der Einzelgänger auch noch eine junge Kollegin in die Praxis des professionellen Entlassens einführen. Doch es kommt noch schlimmer: auf einer seiner vielen Reisen lernt er die attraktive und ehrgeizige Businessfrau Alex Goran kennen und verliebt sich in sie - das hatte Bingham so nicht geplant.
Verkörpert wird der charmante Jetsetter Bingham von George Clooney. Leider gelingt es Clooney nicht die Rolle facettenreich darzustellen. Letztendlich verhält sich Bingham in Up in the Air wie Clooney auf dem Roten Teppich - kokettierend cool. Im Gegensatz zu Clooney ist Vera Farmiga eine schauspielerische Offenbarung. Farmiga gelingt es die übertrieben toughe Alex Goran unaufdringlich sinnlich zu verkörpern - in den besten Momenten ist sogar ein romantisches Knistern zwischen ihr und Bingham wahrzunehmen.
Diese eingeschobene Liebesgeschichte entlarvt den Film letztendlich als simple Jetsetter-Romanze. Das wäre nicht weiter schlimm, verlöre der Film mit dieser romantischen Ebene nicht den subtil sozialkritischen Charme, den er zu Beginn noch zu versprühen vermochte.
Auch die Optik des Films passt sich diesem Stimmungswechsel an: Unterstützen zu Beginn eher kühle Farben und harte Schnitte die Anonymität der Flughäfen und die Kaltherzigkeit der Arbeitswelt, so ist die sich entwickelnde Romanze zwischen Bingham und Goran mit einer Authentizität vorgaukelnden Handkamera eingefangen.
Reitman verzichtet zwar auf ein pathetisches Happy End, versucht aber dem Zuschauer gegen Ende des Filmes konservative Werte wie "Heimat", "Familie" und "Zweisamkeit" als Allzweckmittel gegen das Leiden der Welt zu verkaufen. Die Finanzkrise ist hier lediglich Mittel zum Zweck um Up in the Air Tiefe zu verleihen - leider gelingt das nur oberflächlich. Da helfen auch die eingestreuten Interviews mit realen Entlassenen nicht. Oder etwa doch? Immerhin ist Up in the Air in allen wichtigen Kategorien für den Oscar nominiert. Ob er dieser Ehre tatsächlich würdig ist, bleibt eine ganz andere Frage.
Aber das ist nur meine Ansicht, die Gegenseite findet ihr hier.
Hier der Film-Trailer in HD-Qualität: